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„Jetzt mach doch einer mal endlich das scheiß Gedudel aus!"

gepostet vor 12 Monaten

„Jetzt mach doch einer mal endlich das scheiß Gedudel aus!“ rief die Kassiererin, als sie meinen Weihnachtseinkauf scannte. Ich hielt ihr mitleidig meine EC-Karte hin. Doch in ihrer Empörung ignorierte sie mich zunächst komplett. Dagegen verstummte tatsächlich die Endlos-Weihnachtskitsch-Schleife und ich hatte das Gefühl, dass gerade viele Menschen aufatmeten.

Als wir damals unser erstes Kind bekamen, sah und vor allem hörte ich die Welt komplett anders. Ich schreckte bei jedem Hundegebell auf und eine einfahrende U-Bahn kam mir vor wie ein Düsenjäger-Schwarm. Erst mehrere Jahre später musste ich das ein oder andere grässliche Kinder-Hörspiel ertragen: Die Babyzeit war eine andere Welt, in der ich wieder lernte zu sehen, zu hören und vor allem zu staunen.

"Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt." (Lk 2,11f)

An unserem Glauben fasziniert mich immer wieder, dass Gott uns nicht die Ohren langzieht, um uns auf irgendetwas hinweisen zu wollen. Er hat sich so klein gemacht hat, dass wir selbst die Ohren spitzen wollen und plötzlich die Welt und die Menschen um uns herum ganz neu entdecken. Was wir dann wahrnehmen, ist allerdings nicht immer schön. Aber eben auch das Mutmachende kommt ganz neu bei uns an und verwandelt nicht bloß uns, sondern alle Menschen, denen wir ebenso befreiend begegnen. Vorgestern an der Kasse deutete sich Weihnachten an: Das Gedudel verstummte. Heute sehe ich das kleine Kind in der Krippe und bin überwältigt davon, dass Gott die Größe hatte, sich so klein zu machen.

Ich wünsche Dir eine gesegnete Weihnachtszeit und ganz viel Staunen und Mut für das kommende Jahr!

Für den BDKJ-Diözesanvorstand Berlin
Helmut Jansen